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Gebäude

.: Prora - Zukunft für einen Ort mit mächtig viel Vergangenheit :.
 
Vielleicht wart Ihr schon in Prora oder habt von Prora in der Schule oder von Euern Eltern gehört.
Prora liegt an der Ostküste von Rügen, hat einen kilometerlangen breiten Sandstrand und genau die Infrastruktur, die ein Event wie Prora03 braucht.
 
Prora hat aber auch eine ziemlich finstere Vergangenheit. Die Geschichte dieses Ortes, die Euch in den nächsten Tagen überall begegnen wird, solltet Ihr kennen und Ihr solltet Euch damit auseinander setzen.
 
Hier zunächst einige Fakten:
 

.: Woher kommt der Name Prora :.
 
Bis 1936 gab es keinen Ort mit dem Namen Prora. Die weit geschwungene Bucht im Osten Rügens zwischen Sassnitz und Binz heißt Prorer Wiek. Der schmale Landstreifen zwischen der Prorer Wiek und dem kleinen Jasmunder Bodden, die "schmale Heide" war bis in die 30er Jahre ein ziemlich unbekanntes Naturschutzgebiet.
 

.: Die KdF-Organisation im Dritten Reich :.
 
Dann geriet dieser Landstrich in das Visier der NS-Organisation "Kraft durch Freude" - KdF, die im November 1933, also im Jahr der Machtergreifung Hitlers, gegründet worden war. Die KdF-Organisation, mit dem Hakenkreuz im Sonnenrad als Emblem, war - sehr verkürzt gesagt - eine Art Tourismusabteilung der DAF, der Deutschen Arbeitsfront, in der praktisch jeder Berufstätige Mitglied war. Die DAF hatte das Vermögen von den zwangsweise in ihr zusammengeschlossenen Unternehmer- und Gewerkschafts-Organisationen übernommen und war damit und aufgrund der enormen Mitgliedsbeiträge sehr vermögend.
In einem Befehl des Führers heißt es zur Aufgabe der KdF-Organisation: "Ich will, dass dem Arbeiter ein ausreichender Urlaub gewährt wird. ... Ich wünsche das, weil ich ein nervenstarkes Volk will, denn nur mit einem Volk, das seine Nerven behält, kann man wahrhaft große Politik machen". 1939 begann Hitler den Zweiten Weltkrieg mit dem Einmarsch deutscher Truppen in Polen.
Vorher aber gab es auch Brot und Spiele. Zwischen 1934 und 1939 wurden insge-samt ca. 7 Millionen KdF-Urlaubsreisen gemacht, davon 690.000 Schiffsreisen. Etwa jeder zehnte Arbeiter kam in diesem Zeitraum zu einer KdF-Reise. So et-was wie regelmäßiger Urlaub war damals neu und Urlaubsreisen waren vorher "für den kleinen Mann" alles andere als selbstverständlich. Und schon gar in einem "Seebad".
 

.: Das KdF-"Seebad der 20.000" :.
 
1935 wurde der Bau von fünf großen Seebädern angekündigt, in denen 1,5 Millionen Menschen jeweils 10 Tage untergebracht werden sollten. Das erste sollte auf Rügen entstehen. Nach den Plänen des Kölner Architekten Clemens Klotz wurde im April 1938 mit dem Bau des KdF-Bades begonnen. Geplant war ein Seebad für 20.000 Urlauber und mit Unterkünften für 2.000 Angestellte. Die ei-
genwillig langgestreckte Baustruktur erklärt sich daraus, dass alle Urlauberzimmer den Blick aufs Meer haben sollten. Die Zimmer waren spartanisch, die Gemeinschaftsanlagen dafür nach damaligen Maßstäben sehr modern: Eine Zentralheizung sollte die Anlage auch außerhalb der Sommersaison nutzbar machen. Vorgesehen waren ein Turmcafé, eine Schwimmhalle mit künstlichen Wellen und offene, strahlungsbeheizte Liegehallen. Architektonisch war der Bau funktional geplant, den Architekturstil nennt man "Klassische Moderne".

Das gilt allerdings nicht für die geplante zentrale Festhalle, in der alle 20.000 Urlauber gleichzeitig Platz finden sollten. Sie ist über das Planungsstadium nicht hinausgekommen, aber an der realisierten Bebauung des Platzrandes kann man noch heute sehen, dass hier eine Architektur der Macht vorgesehen war.
Bei den Planungen für Prora haben der "Führer" der DAF, Robert Ley und Hitler selbst Einfluß genommen. So soll Hitler verlangt haben, dass die Gebäude im Kriegsfall auch als Lazarett genutzt werden könnten.
Im Oktober 1938 war bereits Richtfest beim ersten 550 Meter langen Betten-haus. Zeitweise waren bis zu 15.000 Menschen auf der Baustelle tätig.
Zu Beginn des 2. Weltkrieges wurden die Arbeiten eingestellt. Die Gebäude wa-ren zu diesem Zeitpunkt zum großen Teil nur im Rohbau fertig gestellt. Polnische und russische Zwangsarbeiter wurden herangezogen, um die Dächer abzudichten.
Nach der Bombardierung von Hamburg wurden einige Abschnitte für obdachlos gewordene Hamburger provisorisch fertig gestellt.
 

.: Prora nach 1945 :.
 
Nach Kriegsende verfügte die sowjetische Besatzungsmacht die Demontage. In den Jahren 1948/49 wurden zwei Blöcke gesprengt. Ab Ende 1949 wurde Prora allmählich militärisch in Besitz genommen, zunächst durch die Rote Armee. Später kam die "Kasernierte Volkspolizei" als Vorgängerin der Nationalen Volksarmee (NVA). Der Ausbau erfolgte dabei ohne Rücksicht auf die ursprünglichen Pläne und ohne irgendeinen ästhetischen Anspruch. Das heutige Bild der Anlage ist also mit der NS-Planung nur hinsichtlich der Baustruktur, aber nicht der Bau-ausführung in Verbindung zu bringen.
Ab 1962 wurde Prora ausschließlich durch die NVA genutzt. Zeitweise waren bis zu 15.000 Militärangehörige in Prora, ab den 80er Jahren auch
ausländische Militärangehörige, die hier ausgebildet wurden. Der Küstenbereich war damals für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, die Straße zwischen Binz und Sassnitz für Privat-PKW gesperrt.
 

.: ...und heute :.
 

Bund und Land bemühen sich seit der Wende um eine zivile Nutzung von Prora. Die Planungen sehen Wohnungen, Ferienwohnungen, Hotels und auch eine Jusgendherberge vor. Dass die Umsetzung solcher Pläne nicht einfach ist, wird wohl jedem klar, wenn er den "Koloß von Rügen" mit eigenen Augen sieht.

In gewisser Weise nutzen wir jetzt die unter Diktaturen entstandene Infra-struktur für Prora03.

Wir sollten dabei die Geschichte dieses Ortes kennen, aber Prora nicht dämoni-sieren. Prora ist kein Ort des Terrors gewesen. Es gehörte zu dem "schönen Schein des Dritten Reiches", genauso wie der Bau der ersten Autobahnen oder die Veranstaltung der Olympischen Spiele in Berlin 1936. Es war dennoch Ausdruck derselben Ideologie, man könnte sagen: die Kehrseite der NS-Medaille.

Wer sich vorstellen kann, wie toll und modern die Anlage Prora in den 30er Jahren geplant war und wer weiß, welche Propaganda mit den KdF-Reisen gemacht wurde, kann vielleicht eher verstehen, dass die meisten Deutschen anfangs von Hitler begeistert waren. Damit dies auch für spätere Generationen begreiflich und nachvollziehbar bleibt, ist es gut, dass der Bau heute unter Denkmalschutz steht.

Aber man darf nie vergessen, welche Zwecke mit dieser Anlage verfolgt wurden.

Jetzt liegt es an Euch mitzuhelfen, dass eine neue Generation den "bösen Geist" aus Prora austreibt, dass hier nie wieder Menschen im Sinne einer Ideologie "auf Kurs gebracht" werden, sondern ihr Leben frei nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können! Ihr könnt dazu beitragen, dass Tor für eine neue Nutzung von Prora aufzumachen!